Das Kirchengebäude – immer wieder umgebaut und erweitert – stand schon, als im Dezember 1147 der grosse Mystiker, Abt und Erneuerer des Zisterzienserordens Bernhard von Clairvaux dort übernachtete. Er war im Vorfeld des Zweiten Kreuzzuges unterwegs, um Adlige zum Kampf und die Gläubigen zu Zahlungen zu motivieren. In seiner Reisebeschreibung kommt auch erstmals der Dorfname Birbovermesdorf vor, das Dorf beim Birnbaum.
Berühmt ist die ehemalige Pfarrkirche für seinen spätgotischen Freskenzyklus, den Handwerker aus Königsfelden um 1440 schufen. Propheten und Apostel halten darauf Spruchbänder mit Zitaten aus dem Alten Testament und mit dem gesamten Glaubensbekenntnis. Begleitet werden sie von den deutlich jüngeren Heiligen Martin und Georg sowie dem Kirchenpatron Leodegar.
Leodegar lebte im 7. Jahrhundert, stieg als tatkräftiger Abt zum beliebten Bischof auf. «Er grünete in allen Tugenden», hält eine Sammlung von Heiligenlegenden fest. Doch er geriet bald in Opposition zum Königshaus der Merowinger. Anfang Oktober 679 starb er als Märtyrer. Sein Erkennungszeichen ist der Bohrer, das Folterinstrument, mit dem man ihm die Augen ausstach. Deshalb gilt er als Nothelfer bei Augenleiden. Die immer durstigen Birmenstorfer sahen im Bohrer allerdings einen Zapfenzieher, verständlich in einem Weinbauerndorf.
Die alte Dorfkirche diente, wie erwähnt, als paritätisches Gotteshaus beider Konfessionen. Seit 1718 gehörte sie je zur Hälfe den beiden Kirchgemeinden. Im 20. Jahrhundert erschien der Zustand des sogenannten Simultaneums als nicht mehr zeitgemäss. Es endete 1930. So stand einem Neubau nichts mehr im Weg. Am 5. Mai 1935 weihte Bischof Josephus Ambühl, Bischof von Basel und Lugano die neue Pfarrkirche ein. Patron blieb Leodegar. Dank etwas Glück blieb das Chor der alten Pfarrkirche mit ihren heute unter Schutz stehenden Fresken stehen.
Als Besonderheit in der Pfarreigeschichte darf zweifellos die Bischofsweihe von Joseph Zimmermann gelten, der Angehöriger der Missionare der Heiligen Familie als erster Bischof der Diözese Morombe in Madagaskar eingesetzt wurde. Die Verbindungen festigte die Aussendung eines weiteren Birmenstorfer Missionars in die gleiche Gegend.
Die Pfarrei St. Leodegar ist eine aktive Kirchgemeinde mit Kirchenchor, Jungwacht-Blauring, erfolgreicher Katechese, K+S-Gruppe und einem lebendigen Pfarreileben. Die Säkularisierung unserer Gesellschaft zeigt sich in sinkenden Mitgliederzahlen. Ende 2024 bekannten sich 912 Personen zur römisch-katholischen Konfession, knapp 30 Prozent der Gesamtbevölkerung Birmenstorfs.









